„Keine Grundsatzdiskussion“

Immer häufiger höre ich in Diskussionen Aussprüche wie: “Jetzt keine Grundsatzdiskussionen” oder ähnliches. Doch ich Frage mich warum dieses Wort so einen negativen Ruf hat. Wo ist das Problem an Grundsatzdiskussionen? Ist es nicht sogar manchmal wichtig diese zu führen, um von einer anderen Sicht auf Dinge zu sehen oder Visionen entstehen zu lassen, von denen man später wenigstens ein paar Ideen nutzen oder umsetzen kann? Oder es können aus diesen Grundsatzdiskussionen neue Projekte entstehen, welche “Alles Besser machen”. Sind Grundsatzdiskussionen wirklich ein Problem?

Ich habe, nachdem ich beobachtet habe in welchen Situationen Menschen “Keine Grundsatzdiskussionen” wollen einen anderen Eindruck. Es fungiert eher als “Todschlagargument”, wenn einem keine Schlüssigen Argumente mehr einfallen. (So nach dem Motto: “Aber denkt doch an die Kinder”.) Ich glaube die Menschen haben eher Angst vor der Grundsatzdiskussion und möchten sie deswegen meiden und bringen dieses “Argument” wenn es zu tief ins Thema hinein geht. Denn um eine Grundsatzdiskussion zu führen braucht man manchmal Fachwissen, welches eventuell nicht vorhanden ist oder man muss sich lange mit dem Thema auseinander gesetzt haben, was eventuell nicht passiert ist. – Geht die Diskussion zu tief ins Thema, kann man es ganz einfach als Grundsatzdiskussion bezeichnen und schon ist man raus aus dem Schneider. Man kann damit eine Diskussion beenden ohne zuzugeben, dass man verloren hat oder im Unrecht ist oder war.

Oft wird man auch keine Grundsatzdiskussion wollen, weil man einfach keine Lust mehr auf diese Diskussion hat oder von dieser genervt ist. Dies kann mehrere Gründe haben. Zum einen hat man keine Lust mehr, wenn man nicht viel Ahnung oder keine Argumente mehr hat. Zum anderen kann man diese Grundsatzdiskussion auch schon hunderte male geführt und durchgekaut haben – dann hätte ich auch keine Lust mehr. Wenn man also mit dem Diskussionspartner diese Grundsatzdiskussion schon einmal geführt hat, dann kann das “Keine Grundsatzdiskussion” Argument durchaus auch berechtigt sein. Wurde diese Grundsatzdiskussion allerdings mit jemandem anderen Geführt, sollte man sich das Ergebnis und die Argumente mal zusammenfassen lassen und auf deren Basis weiter diskutieren.

Aber natürlich kenne ich auch Situationen, bei denen ich von vornherein weiß, dass die Ansichten sowas von verscheiden sind und die Faktenlage eher Dünn ist, dass ich selbst keine Lust habe weiter zu reden. In dieses Situationen sollte man das aber auch einfach ehrlich sagen. (Keine Angst, ich denke ich schaffe das selber nicht immer.) Hat man danach eine Faust im Gesicht ist das auch sowas ähnliches wie “keine Grundsatzdiskussionen hier!” – “Das ist so und da wird auch nicht Diskutiert” – Ein sogenanntes Totschlagargument.

Besserwissen kann ich Gut. Keine Ahnung wie oft die Wort Diskussion und Argument in diesem Eintrag vorkamen aber ich hoffe ihr hab verstanden worum es mir geht. Danke!

Ich wüsste von euch gern wie ihr das seht. Wenn ihr das ganz anders seht, dann können wir gern eine Grundsatzdiskussion führen.

[Eigentlich sollte an diese Stelle ein Dsikussions-Leitfaden, für den Fall, dass jemand mal wieder keine Grundsatzdiskussion möchte. Aber ich denke ihr schaft das auch allein]


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2 Gedanken zu „„Keine Grundsatzdiskussion“

  1. Eine U-Bahn bitte… rot weiß nach Kölle!

    Wie schon getwittert, mag ich ja Grundsatzdiskussionen, weil sie doch so schön von der eigentlichen Arbeit ablenken. Ich habe in meinem früheren Arbeitsleben auch all zu gerne Diskussionen so weit vertieft, bis aus dem eigentlichen Problem ein grundsätzliches wurde. Und von diesen grundsätzlichen Problemen gibt es in großen Behörden genug. Da ich jetzt Student bin führe ich immer noch eine Menge Grundsatzdiskussionen. Aber diesmal fruchtbare. Sie stehen oft am Anfang von Projekten und sind wichtig für die Absprache, die gemeinsame Zielfindung und die Verständigung auf eine gemeinsame Sprache. Ich glaube Studenten diskutieren grundsätzlich gerne alles dem Grunde nach.

    Warum du mit deiner Neigung zum tiefschürfen auf Widerstand stößt könnte vielleicht daran liegen, das in deinem Umfeld diese Diskussionen schon geführt wurden und dein Gegenüber der Meinung ist, es wäre ineffizient das noch einmal zutun. Vielleicht sieht er dich auch gar nicht in der Position diese Diskussion anzuregen? Denn auch wenn Grundsatzdiskussionen dringend notwendig wären geht das selten mit der Einsicht über diese Notwendigkeit einher. Würde diese nämlich bestehen, wäre solch eine Grundsatzdiskussion vielleicht gar nicht mehr notwendig. Und da verstrickt sich das Wollkneul.

    Und überhaupt sollten wir erst mal grundsätzlich klären, ob wir hier auch über das selbe reden. ;o)

  2. Hat dies auf Stephanie Vonwiller rebloggt und kommentierte:
    Das Thema kann endlos besprochen werden, denn die Menschen, die nicht in der Lage sind Grundsatzdiskussionen standzuhalten, sind eben die, welche ihnen mit Totschlagargumenten begegnen.

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